News - LHV steht in Köthen mit leeren Händen da

Die Oberliga-Handballer des LHV Hoyerswerda haben am Sonnabend ihr Auswärtsspiel bei der HG Köthen mit 23:28 Verloren. Dabei hielten die Männer von Matthias Allonge das Spiel bei der besten Heimmannschaft der Liga nicht nur lange Zeit offen (sie führten zur Halbzeit mit 15:16!), es wäre sogar mehr möglich gewesen. Dementsprechend zugeknöpft und wortkarg zeigte sich der LHV-Trainer nach dem Spiel. "Wir wollten die Köthener so lange wie möglich ärgern. Das ist uns in der ersten Halbzeit sehr gut gelungen, obwohl wir unsere schnelle Führung leichtfertig genauso schnell wieder hergegeben haben. Was letztlich den Unterschied ausgemacht hat? Wir haben 5 Tore zu wenig geworfen!" Das war's. Man hat Matthias Allonge in einem Trainergespräch nach Spielschluss auch schon deutlich differenzierter und ausführlicher die 60 Spiel-Minuten auf der Platte analysieren gesehen. Aber was war der Auslöser für seine sich selbst schützende Zurückhaltung, für den sichtbar tief sitzenden Stachel?

Waren es die vielen sehr strittigen Entscheidungen, wie "Stürmerfoul oder Freiwurf"? War es die zum Teil unangebrachte und zu wenig geahndete Härte im Spiel, die zu einigen Behandlungspausen führte? Die mehrfach unangebrachten verbalen Ausuferungen auf den Rängen? Die kaum mögliche Kommunikation mit der dem Spiel zu selten gewachsenen Dritten Kraft? Waren es die sichtbaren Schaltpausen im eigenen Rückzugsverhalten, die die Köthener zu ihrem gefürchteten Konterspiel und den daraus resultierenden knapp 10 einfachen Gegentoren regelrecht einluden? Oder waren es die gerade im zweiten Abschnitt vermehrten eigenen Fehler im Abschluss? Was also stand den fünf fehlenden Toren im Wege?

Mit nur sieben erzielten Treffern im zweiten Abschnitt kann man kein Spiel gewinnen. Hinzu kommt, dass die Köthener individuell auch ohne ihre beiden Leipziger Gastspieler einfach stärker waren. Die mannschaftliche Geschlossenheit der Zusestädter hat nicht ausgereicht, Zählbares mit nach Hause zu nehmen, denn auch die Köthener haben sich als eingeschworenes Team präsentiert. "Wir haben großen Respekt vor Hoyerswerda gehabt. Es war das erwartete Spitzenspiel Dritter gegen Vierter. Wir sind froh, als HG gewonnen zu haben, denn die Mannschaft besteht nicht nur aus den beiden Leipzigern, die heute nicht mit dabei waren. Unsere Leidenschaft hat uns in der zweiten Halbzeit zum Sieg geführt." erkannte Ralf Stojan, spielender Trainer der Köthener, den kleinen aber entscheidenden Unterschied zwischen den beiden Mannschaften, die jeweils nicht alle Spieler zum Einsatz brachten. Auf LHV-Seite musste Matthias Allonge neben dem Langzeitverletzten Nick Widera auch auf Lukas Baase verzichten, der sich im Abschlusstraining am Freitag am Fuß verletzte.

Spielerisch war der 1. Durchgang geprägt von vielen schnellen Aktionen auf beiden Seiten. Die 1:4 LHV Führung nach 8 Minuten war nur drei Zeigerumdrehungen später beim 5:4 auch schon wieder vergessen. Es folgten 30 ausgeglichene Minuten, in denen sich keiner vom anderen lösen konnte, ausgenommen die LHV Akteure, die bis dahin die Strafbank drückten. Köthener Zeitstrafen gab es bis dahin keine! Erst in der 41. Minute musste mit Ralf Stojan der erste Köthener Spieler pausieren, und dabei hatte dieser noch richtig Glück, nach zwei Minuten wieder mitwirken zu dürfen. Ein reines Strafwurffestival entwickelte sich indessen in dieser Phase auf der Platte, zeigten doch die Referees insgesamt in eben jener halben Stunde gleich stolze elfmal auf den Punkt. Dies waren alle gegebenen Siebenmeter des gesamten Spiels.

Dem letztmaligen Ausgleich zum 18:18 (35.) folgten zehn torlose LHV-Minuten. Der Hausherr nutzte dies, um sich spielentscheidend abzusetzen. Die LHV-Jungs jetzt sichtbar verunsichert und mental angeschlagen trafen einfach das Tor nicht mehr. Der starke Köthener Rückraum um Denny Friedl, Martin Lux und Maik Mischek machte aber auch richtig Druck und ließ die Zusestädter nicht mehr ins Spiel zurückkommen.

Als abschließenden Satz noch die kurze Ansprache des noch immer angefressenen Trainers kurz vor Abfahrt im Mannschaftsbus: "Es war die normale Niederlage. Danke an die mitgereisten Fans für die Unterstützung. Und an die Mannschaft: Montag Fitnessstudio. Dienstag Training in der Halle." Am Sonnabend erwarten die Zusestädter den Tabellenvorletzten Wittenberg im heimischen BSZ.

LHV: Eric Zeithamel, Benjamin Reißky - Alexander Canbek (5/4), Tobias Sieber (4), Roy Kalweit (4/1), Robert Devantier (3), Ronny Eckert (3), Andreas Schütz (3), Ringo Schäfer (1), Conni Böhme, Steve Däumel, Nico Pollack, Lukas Baase (n.e.)

Köthen: Sebastian Loske, Alrik Baudler - Martin Lux (6), Maik Mischek (5/3), Ralf Stojan (4), Denny Friedl (4/2), Robin John (3), Robert Kraller (3), Rene Uelsmann (2), Nauris Auzins (1), Stefan Richter, Robert Wagner

Gelbe Karten: LHV: 3+1; Köthen: 2
Strafminuten: LHV: 12; Köthen: 8
Strafwürfe: LHV: 5/5; Köthen: 5/6
Schiedsrichter: Christian Göhring (TSV Motor Gispersleben)/Volker Leinhos (Thüringer HC)